Georgschacht Stadthagen

km 17,78 - Anschluss zum Georgschacht und Haltepubkt (79 m über NN)
Der zweite Bauabschnitt umfasst das ehemalige Steinkohlebergwerk Georgschacht mit seinem Zechenbahnhof und den südlich des Bergwerkes gelegenen Haltepunkt Georgschacht mit den Schachtanlagen E0 und F0.

 

Der zweite Bauabschnitt umfasst das ehemalige Steinkohlebergwerk Georgschacht mit seinem Zechenbahnhof und den südlich des Bergwerkes gelegenen Haltepunkt Georgschacht mit den Schachtanlagen E0 und F0.

Der Georgschacht ist die zentralen Schachtanlage eines der ältesten Bergbaugebiete Deutschlands. Mit dem Georgschacht begann 1902 der Tiefbergbau in der Schaumburger Senke. Bis zu diesem Zeitpunkt folgte man den Kohleflözen von den Berghängen aus. Der Förderschacht I des Georgschacht erreichte in einer Tiefe von 250 m das Kohleflöz der G-Sohle. Die 130 Millionen Jahre alte Wealden-Kohle wurde auf einer Ausdehnung von 8500 m nach Westen und 3000 m nach Osten abgebaut. Zwischen 1925 und 1928 wurde 60 m südlich der Förderschacht II bis auf 372 m Tiefe abgeteuft. Mit diesem Schacht wurde die H-Sohle in 350 m Tiefe erschlossen.

Der Georgschacht kann als Musterbeispiel eines Kohlebergwerkes verstanden werden. Auf dem überschaubaren Gelände befanden sich alle Einrichtungen die zur Kohleförderung und -veredelung notwendig waren: neben den beiden Fördertürmen mit ihren Maschinenhäusern standen die Kohlenwäsche zur Sortierung von Kohle und Abraum, zwei Kesselhäuser zur Dampferzeugung, eine Elektrozentrale mit Generatoren zur Stromerzeugung, eine Kokerei, die neben Gas auch Koks, Teer, Ammonium-Dünger, Benzol und Naphthalin lieferte. Das Gas wurde in einer Verdichterstation mit hohem Druck durch eine Leitung nach Obernkirchen geliefert. 1951 wurde noch eine Schlackenstein-Fabrik mit einer Tagesleistung von 5000 Hohlblocksteinen errichtet. Mit diesen Steinen konnten die Wohnsiedlungen für die neuen Zechenanlagen Lüdersfeld, Beckedorf und Auhagen gebaut werden.  Umfangreiche Gleisanlagen mit Anschluss an die 1900 eröffnete R.St.E ermöglichten die Abwicklung der notwendigen Transporte. Werkstätten und Verwaltungsgebäude vervollständigen das Bild. 1960 wurde der Schaumburger Kohlenbergbau auf allen Schachtanlagen endgültig eingestellt. Über 3000 Beschäftigte verloren ihre Arbeit. Einige wenige Jahre wurden einzelne Werkstätten noch weiter betrieben, schließlich aber doch geschlossen. Die großen Anlagen wurden gesprengt und abgerissen, einige Gebäude verkauft, der Rest dem Verfall überlassen.

Eine Welt für sich

Das Betriebsgelände des Georgschachtes ist eine kleine Welt für sich. Auf den Luftbildern ist eine auf den ersten Blick eine verwirrende Ansammlung von Gebäuden und Anlagen zu sehen, die scheinbar willkürlich über das Areal verteilt sind. Bei genauer Betrachtung lassen sich die Aufgaben der einzelnen Anlagenteile bestimmen und es werden ihre Beziehungen und gegenseitigen Abhängigkeiten erkennbar. 

Betrachten wir nun die einzelnen Anlagenteile, wie sie einst waren und wie wir versuchen, diese in unserem Modell umzusetzen. 


Gleisanlagen

Das Bergwerk verfügte über einen umfangreichen Grubenbahnhof. Über ein Anschlussgleis mit zweigleisigem Übergabebereich wurden die vier Aufstellgleise erreicht. Vielfältige Gleisverbindungen und eine Wagon-Schiebebühne ermöglichten das Anfahren der einzelnen Verladepositionen. Das im Norden gelegene Umfahrungsgleis erlaubte das Erreichen der Produktionsstätten für Naphthalin, Teer, Benzol und Ammonium, der Magazine und Werkstätten im Südosten des Geländes. Zwei Wagondrehscheiben erlaubten die Erschließung des Geländes in West-Ost-Richtung.

Arbeitstäglich wurden fünf Kohlezüge und fünf Leerwagenzüge mit jeweils 20 Wagons abgefertigt. Die Züge wurden auf dem Streckengleis der RStE geteilt und die 10er-Einheiten in die Übergabegleise rangiert.


Fahrzeuge

Der Georgschacht verfügte neben einer großen Anzahl eigener Güterwagen auch über eigene Dampflokomotiven: 2 zweiachsige Dampfspeicherloks und kurzzeitig eine B-gekuppelte Dampflok. Mit der Schließung der Kohleförderung in Barsinghausen kam eine weitere Dampfspeicherlok und eine C-gekuppelte Dampflok zum Bestand hinzu.


Die Kohlenwäsche

Erbaut 1901-02.

In der Kohlenwäsche oder auch Separation wurde die geförderte Kohle von Taubgestein getrennt. An Lesebändern wurden größere Steine von Hand aus dem vorbeilaufenden Materialstrom herausgesammelt. Das verbleibende Material lief anschließend über Sichter und durch Brechwerke in die Flotation. In der Flotation wird im Wasser die leichtere Kohle vom schwereren Taubgestein getrennt. Die Beimischung von Teeröl, aus dem Kokereibetrieb, erleichterte die Trennung. Die Kohle musste anschließend wieder getrocknet werden, bevor sie der innerbetrieblichen Nutzung - Kesselhaus II, Kokerei, Brikettfabrik Obernkirchen -oder zum Verkauf genutzt werden konnte. Das eingesetzte Wasser wurde über Klärsümpfe von Schwebstoffen grob gereinigt.

Zuerst entstanden Rekonstruktionszeichnungen für die Kohlenwäsche und das anliegende Förderhaus I. Die Kohlenwäsche ist, durch viele An- und Umbauten in den fast 60 Betriebsjahren, zum komplexesten Gebäude des Georgschachtes geworden. Es fiel dem Abriss bereits kurz nach der Schließung zum Opfer.


Förderschacht I und II

Erbaut 1901-02

In der direkten Nachbarschaft der Kohlenwäsche befand sich südlich der Förderturm I mit seinem östlich gelegenen Maschinenhaus. Der Förderschacht erreichte in einer Tiefe von 250 m das Kohleflöz der G-Sohle. Während die beiden Fördertürme bereits kurz nach der Schließung gesprengt wurden, überlebten die Maschinenhäuser wesentlich länger.

Um die Kohle der H-Sohle in 372 m Tiefe erschließen zu können, wurde zwischen 1925 und 1928 ca. 60 m südlich vom Schacht I ein neuer Förderschacht abgeteuft. Der Schacht wurde mit einen Durchmesser von 4,5 m 372 m tief ausgebaut. Die neue Förderhalle wurde über eine Verbindungsbrücke für den Wagenumlauf mit der Schachthalle I verbunden.


Kokerei

Um die Leistung der Kokerei und die Gewinnung von Nebenprodukten zu steigern, wurde in den Jahren 1925-26 im nördlichen Betriebsgelände durch die Firma Krupp-Koppers eine neue Kokerei inklusive Nebenanlagen errichtet. Die Kokerei hatte zuerst 50 Batterieöfen wurde aber bald auf 60 Öfen erweitert.


Neuer Koksbrecher

Erbaut 1925-26.

Der in der Kokerei erzeugte Koks wurde in speziellen eisernen Kübeln mit einem elektrisch betriebenen Flachwagen zum Koksbrecher transportiert. Eine Krananlage auf der östlichen Gebäudeseite hob die Kübel über die in 26m Höhe befindliche Bunkeröffnung und entleerte dort die Behälter. Aus diesem Bunker trat der Rohkoks seine Reise über Brecher und Siebe in die verschiedenen Lagerbunker an. Der Koks wurde nach Korngröße separiert und zur Verladung in Schienen und Landfahrzeuge bereitgehalten. Angeboten wurde Koks-Asche: Korngröße 0-15mm, Koks IV: 15-20mm, Koks III: 20-40mm, Koks II: 20-70mm, Koks I: 70-90mm und Grob Koks: >90mm. Das über 36m hohe Gebäude verfügte über eine Bunkerkapazität von 265t.


Anlagen zur Gewinnung und Verarbeitung der Kokerei-Nebenprodukte

Die Aufgabe der Kokerei bestand spätestens mit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht ausschließlich in der Herstellung von Koks und Kokereigas - Leuchtgas -, sondern verstärkt in der Gewinnung von Nebenprodukten: Ammoniak für die Dünger- und Sprengstoffherstellung, Benzol als Motorentreibstoff, sowie Naphthalin, Pech und Teer für die chemische Industrie. Erst die Nebenprodukte machten den Kohleabbau in Schaumburg in der Konkurrenz zum Ruhrgebiet für einige Jahrzehnte rentabel. Die Nebenprodukteanlagen bedeckten das nördliche Drittel des Betriebsgeländes.

Ammoniak-Fabrik

Die Ammoniak-Fabrik wurde in den Jahren 1925-26 durch die Firma Krupp-Koppers erstellt. In Ihr wurde aus dem Kokerei-Gas nach dem Koppers-Verfahren Ammonium gewonnen. Das Ammonium bildete die Grundlage für die Stickstoff-Chemie, als Ersatz für die Salpeterimporte aus Südamerika.


Salzlager

Die Halle zur Lagerung des Ammonium-Salzes wurde 1914 nördlich der alten Ammoniumfabrik erbaut und 1926 erweitert.


Sulfatfabrik

Erbaut 1929-30.

Für die 1926 fertiggestellte Ammoniumfabrik musste die benötigte Schwefelsäure zugekauft werden. In der neuen Anlage wurde die Schwefelsäure selbst hergestellt. Auch die Sulfat-Produktion wurde erheblich gesteigert. Die gerade einmal 4 Jahre jüngere Anlage wurde nur noch als Reserveanlage betrieben.


Benzolfabrik

Erbaut 1914.

Anlage zur Benzolgewinnung aus dem Kokereigas. Benzol wurde als Motorentreibstoff verwendet. Der Deutsche Steinkohlen Verband vertrieb das Benzol durch den Benzolvertrieb BV Aral. Aral ist ein Kunstwort aus den beiden Handelsstoffen: Aromat und Aliphat.


Naphthalin, Pech und Teer

Erbaut 1914.


Gasreinigung

Erbaut 1931.


Gaskompressorenhaus & Ferndruckstation

Erbaut 1929.

Die Kokerei am Georgschacht lieferte mehr Gas als für den eigenen Bedarf benötigt wurde. Das überschüssige Gas wurde mit Überlandleitungen nach Hannover und Obernkirchen geliefert. Für diesen Transport musste das Gas verdichtet und mit einem konstanten Druck in das Rohrnetz übergeben werden.


Verwaltung

Das repräsentative Verwaltungsgebäude mit angegliedertem Kauentrakt war in seiner architektonischen Ausführung Maßstab und Vorbild für eine Vielzahl ähnlicher Gebäude am Beginn des 20. Jahrhunderts. Nicht umsonst wurde der umgangssprachliche Begriff der "Kohlenkirche" für dieses Gebäude geprägt. Es beherbergte nicht nur die Bergwerksverwaltung mit dem Direktorenbüro im Obergeschoss, sondern für Schaumburg neu Wasch- und Umkleideräume.


Elektrozentrale

Erbaut 1901-02

Energetisches Zentrum des Schachtgeländes war die Elektrozentrale, die zuerst mit Dampfmaschinen, später mit Turbogeneratoren, die für den Betrieb notwendige elektrische Energie für den Georgschacht bereitstellte.


Kesselhaus I und II

Erbaut 1901-02

Zur eigenen Energieversorgung des Bergwerkes waren zwei Kesselhäuser vorhanden. Kesselhaus I mit Gasfeuerung und südlich davon Kesselhaus II mit Kohlefeuerung. Die Kesselhäuser versorgten nicht nur die Turbinen der Elektrozentrale, sondern über ein umfangreiches Rohrleitungsnetz die einzelnen Anlagen und Gebäude mit Dampf als Prozesswärme und Heizenergie. Auch die feuerlosen Lokomotiven füllten ihre Dampfspeicherkessel aus diesem Netz.


Wasserturm und Tiefbrunnen

Erbaut 1901-02

Die Kesselanlagen zum Betrieb der Dampfmaschinen benötigten eine sichere Wasserversorgung. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Wasserturm eines der ältesten Gebäude des Georgschachtes ist. Südlich des 34m hohen Turmes steht das Tiefbrunnenhaus.


Werkstätten

Erbaut 1913

Im Südosten des Betriebsgeländes befinden sich die Hallen der technischen Werkstätten. Der Bau begann 1913 mit den zwei nördlichen Hallen: der Schmiede, einem zunächst nicht überdachten Montagehof und den Metallwerkstätten im Süden. Noch im gleichen Jahr wurde die Überdachung des Montagehofes genehmigt. 1922 wurden die Centralwerkstätten durch eine südliche Halle mit Speisesaal, Werkstattkaue, Tischlerei und Büros ergänzt. Der zwischen den Hallen liegende Freilagerplatz wurde 1938 durch einen fünften Hallenbau überbaut. In dieser Halle fanden neben der Tischlerei, Schulungsräume und eine Turnhalle Platz.


Pförtnerei

1927 wurde der südliche Eingang durch ein neues Pförtnergebäude neugestaltet. Neben dem Pförtnerbüro war ein großer Markenraum gelegen. Zugangsarkaden schützen die Mitarbeiter vor dem Wetter. Zur Rechten öffnete sich die große Fahrradhalle mit Stellplätzen für über 380 Fahrrädern.


Haltepunkt Georgschacht

Der ursprüngliche Haltepunkt Georgschacht lag bis 1938 in Höhe der neuen Kokerei östlich des RStE-Gleises. Er bestand aus einem geschütteten Bahnsteig mit Wartehalle und einer Wärterbude.

Mit dem Bau der neuen Kokerei war der Zugang zur Schachtanlage an dieser Stelle problematisch. Es wurde ein neuer Standort südöstlich des Bahnübergangs "Am Georgschacht" gefunden. Die im Süden ebenfalls errichtete Pförtnerei ermöglichte den Zugang zum Betriebsgelände.

Der Haltepunkt verfügte nun über einen betonierten Bahnsteig, ein neues Empfangsgebäude mit Dienst- und Warteraum und ein weiter südlich gelegenes Abortgebäude.


Der neue Haltepunkt im Modell

1938 wurde der Haltepunkt an das südliche Ende des Georgschachtes verlegt. Auf dem Gelände des Schachtes F0 wurde ein neues Empfsngsgebäude mit Dienst- und Warteraum errichtet. Südlich davon eine einfache Abortanlage mit zwei Trockenklos. Nördlich direkt an die Abraumhalde von F0 ein Güterschuppen.

 

An unserem Aufstellort ist es erforderlich, den Haltepunkt auf einem schwenkbaren Brückenteil anzuordnen - auch wir werden nicht jünger und gebückt unter diesem Anlagenteil hindurch zu gehen, würde früher oder später zu einer schmerzhaften Kollision führen. Eine Klappbrücke ist da schon bequemer und sicherer.


Ehemalige Schachtanlagen E0 und F0

Südlich des Haltepunktes schlossen sich die Gleisanlagen der ehemaligen Schachtanlagen F0 (gesprochen F Null) und E0 (E Null), die vor der Eröffnung des Georgschachtes der Förderung auf der E- und F-Sohle dienten. Abraumhalden und Weichenmarkierungen erinnern noch heute an diese Anlagen.

 

Der Bereich der Gleisanlagen ist heute überbaut. Am südlichen Ende befindet sich noch eine Weichenkennzeichnung in Form eines Sandsteinblockes mit Angabe des abzweigenden Gleishalbmessers. Links und rechts des Gleiskörpers zeugen Abraumhalden von der ehemaligen Bergbautätigkeit.

Die beiden Schächte wurden mit Inbetriebnahme des Georgschachtes aufgegeben. Zwei Ladegleise wurden zwischen 1912 und 1930 zur Verladung von Kohlen und Sandsteinen aus dem weiter östlich gelegenen Steinbruch Wilharm genutzt. Das Material wurde mit einer Feldbahn zum Versturz in Regelspurwagen angeliefert.

Im Jahr 1946 erbaute Heinrich Karl Wilkening auf dem Gelände seine Lack-Fabrikation eine Betonbaracke und südlich davon ein Wohnhaus.


Die Segmente Georgschacht im Bau

Im Januar 2012 haben wir mit dem Bau des zweiten Abschnittes begonnen.

Diesen Bauabschnitt haben wir wegen seines beachtlichen Umfangs in zwei Teilabschnitte aufgeteilt. Im ersten Abschnitt wird die westliche Gleisanlage mit den Hauptgebäuden von den Werkstätten im Süden, über die Förderschächte und Kohlenwäsche, die Kokerei, den Koksbrecher, bis zu den Absetzteichen im Norden entstehen. Im zweiten Abschnitt folgen dann die östlichen Anlagen.

 

Für die Konzeption der Segmentkästen der zweiten Reihe fand eine Stellprobe mit den Gebäuden der Ammonium-Fabrik, des Salzlagers und der Sulfat-(C.A.S.)-Anlage statt. Hierbei wurde zum ersten Mal die Breite der Georgschachtanlage und ihre teilweise dichte Bebauung sichtbar.